Vorab ist gesagt, dass es um keinen Fall um meine Eltern geht. Heute geht es um ein brandaktuelles Thema. Stell dir vor du bist noch einmal Kind und deine Eltern nehmen dir dein Spielzeug weg. Ist das nicht unfair? Mit den Augen eines Erwachsenen sieht man dieser Erziehungsmaßnahme etwas skeptischer entgegen. Hören wir nicht ständig und überall, dass Entscheidungen gut durchdacht sein sollen?

Kein Ammenmärchen.

Die Innsbrucker Verkehrbetriebe sind meine neuen Rabeneltern. Nicht meine leiblichen Erzeuger, aber sie wollen mir ab Montag mein Spielzeug wegnehmen. Genauer gesagt: es geht um Downhill. In einem  veröffentlichten Artikel von gestern heißt es:

Mitführung von „Downhill-Fahrrädern“ untersagt

Ab Montag keine Mitnahme mehr von „Downhill- Fahrrädern“ auf den IVB-Linien J und 6 Richtung Lans.

Die Begründung: die Region des „Lanser Köpfls“ sei keine offizielle Downhillstrecke (der Lanser Kopf und Viller Kopf gehören zu meinen Hausstrecken, irgendwo muss man schließlich beginnen und wer kann schon sagen, dass er direkt von Arbeit aus talabwärts fahren kann). Es sei eine Reaktion der IVB auf wiederkehrende Beschwerden von Anrainern und Erholungssuchenden. Außerdem sei oft auch die starke Verschmutzung der Fahrer samt ihren Bikes, die dann auch den Fahrgastraum in den Fahrzeugen in Mitleidenschaft ziehen. Es wird an die immer größer werdende Bikesportlergemeinde appelliert, die vorhandenen legalen Downhillstrecken (Single Trail Nordkette und Hungerburg-Trail) in und um Innsbruck zu benützen, um damit ein faires Miteinander aller Freizeitbegeisterten InnsbruckerInnen zu gewährleisten.

Meine Worte an die Rabeneltern.

Das die Region des Lanser Köpfels keine offizielle Downhillstrecke ist, das ist den Kindern (tut mir leid für den Ausdruck, aber so bezeichne ich jetzt einfach mal die sogenannten „Downhill- Fahrer“) schon bewusst. Übrigends finde ich die Anführungszeichen im Artikel eine Frechheit, das klingt für mich komplett minderwertig! Nachdem aber auf bestimmten Strecken offensichtlich schon seit Jahren gespielt wird und der Weg ohnehin nicht mehr begrünt ist, stelle ich mir die Frage, weshalb man nun das Spielzeug wegnehmen muss.

Wieso erwähnt in dem Artikel eigentlich keiner die Beschwerden der Downhillfahrer? Seit fast 2 1/2 Jahren fahre ich schon mit der IVB nach Igls. Immer wieder habe ich in dieser Zeit erlebt, wie Fahrradfahrer behandelt werden. Es wird gesagt, dass im Innenraum 2 Räder und auf dem Radträger 5 Räder mitgenommen werden (man beachte den Warnaufkleber im Innenraum mit der Aufschrift „Räder gerne, aber nur wenn Platz ist“ – ich muss gerade lachen). Wie oft habe ich am Tivoli gestanden (der Radträger voll) und versucht mein Rad in den fast leeren Bus mitzunehmen, immer mit der Aussage vom Busfahrer: „Bitte den nächsten Bus zu nehmen, wir sind voll!“. Wie oft habe ich es in der Früh erlebt, dass der Bus ohne Räder gehalten hat und sobald eine Person (vielleicht liest du das und fühlst dich angesprochen – ich hatte echt Mitleid mit dir) sein Downhillrad aufhängen wollte, der Busfahrer die Türen geschlossen hat und mit Rad, dafür ohne Fahrgast losgefahren ist. Mehr als nur einmal.

Als Anfänger (ich habe letztes Jahr erst angefangen) finde ich es eine Zumutung zu sagen, man soll doch bitte den Nordketten Singletrail nutzen. Ja, super, ich stürze mich gleich mal zu Anfang ein Gefälle von 36 Grad runter und stehe, bzw. liege,  Könnern im Weg. Im Ernst? Wie stellt ihr euch das vor? Eine Strecke, die für die Weltelite gebaut wurde soll sofort mein Spielplatz werden? (ich will jetzt nicht rumheulen, aber es ist nun mal ein Sport, der nicht ohne ist und an den man sich rantasten muss – leider bin ich nicht mit einem Bike unterm Arsch auf die Welt gekommen) Ich finde es wirklich toll, dass es genug Leute gibt, die den Trail fahren können, aber wohin mit den Anfängern?

Außdem stellt sich die Frage wie Privatpersonen ihre Räder nach Hause schaffen sollen wenn kein Auto vorhanden ist. Nehmen wir mal an, ich würde in Igls privat wohnen und komme nach dem Downhill vom Nordkettentrail und will nach Hause. Wie wird das geregelt? Sollen die Biker jetzt jeden Tag mit einer Meldebescheinigung im Schlepptau rumrennen? Oder vielleicht nach dem (sehr anstrengendem) Fahren noch mit 18 kg unterm Hintern die Iglerstraße hochradln (eine nicht gerade ungefährliche Aktion)?

Ihr Kinderlein kommet.

Fakt ist, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Ich war sehr erfreut gestern diese Gruppe entdeckt zu haben gegen das Beförderungsverbot von unseren Rädern. Falls es eine Demonstration geben sollte, sei dir sicher:

Ich bin dabei!!!

Mein heutiges Ausweichprogramm.

Nach dieser Aufregung habe ich mir für heute eine Alternative gesucht. Der erste sonnige Frühlingstag mit dem Allmountainbike zur Arzler Alm. In ca. 1 h bergauf gab es zur Belohnung einen klasse Ausblick und einen Latte Macchiato.

In diesem Sinne:

„Gegenwind beim Runterfahren formt den Charakter!“

Rechenhof

Unterwegs

unterwegs 2

Ausblick

– Nikki.

NEUIGKEITEN vom 22.07.2013 für alle Downhillbegeisterten in Innsbruck: Stadtsenat fasste Grundsatzbeschluss zur Errichtung einer offiziellen und legalen Downhillstrecke am Paschberg!