Olf.

Es ist wieder soweit. Jedes Jahr zur gleichen Zeit kann man immer wieder das selbe Phänomen beobachten: Egal wo man geht, steht, einkauft, seinen Glühwein trinkt oder trainieren geht, zu keiner anderen Zeit essen die Leute soviel Obst wie um die Weihnachtszeit. Dabei meine ich keine schokoüberzogenen Granny Smith, Bananen oder Erdbeeren, sondern vielmehr diese kleinen orangefarbene Zitrusfrüchte mit neun kleinen Kammern voller intensivem Gestank. Fruchtschläuche, die mich in den Wahnsinn treiben und an die Grenze meiner olfaktorischen Wahrnehmung. Mein Geruchsinn, auch liebevoll Olf genannt, wird an jeder Ecke von den Ausdünstungen der Mandarinen massakriert. Dabei ist es mir egal, ob es sich um eine Mandarine, Clementine, Tangerinen oder Satsuma handelt. Fakt ist: Die chinesischen Äpfel stinken bestialisch und gehören einfach nicht in eine Menschenhorde an der Gondelstation (kurzer Anfall von Platzangst mit Brechreiz), in den Bus zwischen die Sitze geklemmt, auf den Beifahrersitz, in den Aufzug oder in den Trinkflaschenhalter vom Laufband gestopft. Die emotionalen Komponente meiner Geruchswahrnehmung sind bereits jetzt erschöpft und ich hoffe auf mehr Nächstenliebe in der noch bevorstehenden kräftezehrenden Zitruszeit. Mein Olf wäre schon dankbar um Jeden, der von Mandarinen auf Orangen umsteigt, die haben sowieso einen höheren Vitamin C Gehalt.

betteln

Die Mandarine müsste mich schon dafür bezahlen, dass ich sie esse. Vielleicht klappt es mit Betteln.

Olfaktorisch.

Es gibt verschiedene Quellen der Geruchsbelästigung und zum Glück hat jeder seine eigenen Favoriten. Dabei variert die Geruchstärke enorm. In Olf gemessen, der Einheit zur Bewertung vom Geruchsausstoß, riecht ein Sportler nach dem Training in etwa 30 Olf. Nach längerem Arbeiten im Fitnessstudio-Milieu ist das Erreichen von 30 Olf in meiner Nase sehr schwierig und dennoch übertreffen sich manche Sportler selbst. Erst heute stand ein Mann am Kniebeugenständer, der sogar die Mandarinen-Olf-Grenze erreicht hat. Nichtsdestotrotz hieß es Arschbacken zusammenkneifen und schnell fertig werden, was bei einem Kraft-Ausdauer-Plan zum Glück von Vorteil sein kann … Zumindestens

Faktisch.

Tatsache ist: Geruchsbelästigung ist kein Kavaliersdelikt. Tatsache ist aber auch: Wer in massenorientierten Fitnessclubs trainiert muss sich akzeptabel zeigen oder seinen Monatsbeitrag in Sportwetten, Lotto oder Poker investieren. Vielleicht reicht es dann für einen hauseigenen Trainingspark inklusive Personalcoach … und bis es soweit ist, gibt es heute wieder einmal drei Übungen aus meinem neuen Trainingsplan:

Adduktorentraining auf der Disc 2 x 20-15 Wdh.

Adduktoren

  • Übungsausführung: Die Disc aus Sicherheitsgründen nicht auf das Laminat legen, sondern auf eine rutschfeste Unterlagen. Das leicht gebeugte Standbein in die Mitte der Disc stellen, die Hände in die Hüfte stützen und den Oberkörper leicht nach vorne beugen. Damit meine ich die Brust raus und die Spannung im Lendenwirbelbereich halten. Das zu bewegende Bein leicht gebeugt neben der Scheibe halten, die Ferse von der Körperlängsachse leicht wegdrehen und die Zehen zur Körperachse ziehen (du zeigst dem Spiegel damit deine Fußinnenseite bei der Ausführung -> auch Außenrotation der Füße genannt). Nun das zu bewegende Bein mit der Ausatmung in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Den Bewegungsradius gibt dir dein Körper selbst vor. Mit der Einatmung geht das Bein wieder neben die Disc in die Ausgangsposition. Der Oberkörper wird während der Übung möglichst nicht bewegt bzw. ständig ausbalanciert. Diese Übung im Wechsel mit dem rechten und linken Bein ausführen mit jeweils 2 Sätzen und 20 bis 15 Wiederholungen.
  • Beanspruchte Muskulatur: der große Oberschenkelanzieher, der lange Oberschenkelanzieher, der kurzer Oberschenkelanzieher und der große Gesäßmuskel, inkl. umliegende Bänder und Sehnen durch die Koordination/ Balance auf der Disc

Abduktorentraining auf der Disc 2 x 20-15 Wdh.

Abduktoren

  • Übungsausführung: Die Disc bleibt auch während dieser Übung auf einem rutschfestem Untergrund. Das Standbein wird wieder leicht gebeugt in die Mitte der Disc gestellt und das zu bewegende Bein neben der Disc gehalten. Die Zehen zeigen während der Übung immer nach vorne, in meinem Fall Richtung Spiegel. Die Hände bleiben in der Hüfte gestützt und der Oberkörper wird permanent stabilisiert. Brust raus und Spannung im Lendenwirbelbereich wird gehalten. Das zu bewegende Bein wird mit der Ausatmung von der Körperlängsachse weggeführt und mit der Einatmung wieder in die Ausgangsposition gebracht. Wer diese Übung noch intensivieren möchte, der bewegt das Bein leicht nach hinten versetzt vom Körper weg (siehe Abb. 2).
  • Beanspruchte Muskulatur:  den großen Gesäßmuskel, den mittleren und kleinen Gesäßmuskel, den Oberschenkelbindenspanner und natürlich wieder die umliegenden Sehnen und Bänder zur Stabilisierung auf der Disc

Klappmesser auf Disc mit gekreuzten Armen auf der Brust 3 x 20 Wdh.

Klappmesser

  • Übungsausführung: Setze dich in die Mitte der Disc, winkle deine Beine an und überkreuze deine Arme auf der Brust und halte den Rücken gerade. Der Blick ist dabei geradeaus und du versucht vorab die Balance zu halten. Mit der Einatmung senkst du die Beine und gleichzeitig den Oberkörper um das Gleichgewicht zu halten. Die Zehen sind während der gesamten Übung angezogen. MIt der Ausatmung ziehst du die Beine wieder an und hebst den Oberkörper wieder an. Die Übungsintensität wird durch die Koordination gesteigert.
  • Beanspruchte Muskulatur: den geraden Bauchmuskel, den pyramidenförmigen Muskel und die schräge Bauchmuskulatur.

Fiktional.

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Auszug aus dem Buch „Ich bleib so scheiße wie ich bin – Lockerlassen und mehr vom Leben haben“ von Rebecca Niazi-Shahabi

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Nachdem ich nun faktisch mein Training für heute erledigt habe, will ich mich nun noch fiktional ausleben. Und Nein, ich habe mich nicht verschrieben, da steht absichtlich kein „c“ im Wort. In meiner derzeitigen Nachtlektüre habe ich gelesen, dass man keinesfalls alles akzeptieren muss und nicht immer Ja sagen soll, nur weil man sonst ein schlechtes Gewissen dem anderen gegenüber haben könnte. Klingt egoistisch, ist aber eine Stinkefinger gegen die tägliche Sucht nach Selbstoptimierung. Was ich daraus gelernt habe? Wenn ich das nächste Mal auf der Bank Geld einzahle und mir der nette Mitarbeiter hinter dem Schalter wieder eine Mandarine gibt, frei nach dem Motto “ Freude verschenken, vielleicht auch mal mit einem Sparkonto“, dann gebe ich diese gerne mit einem Lächeln zurück und setze damit Mr. Mandarine die Pistole auf die Brust ohne dabei unhöflich zu werden. Ein anderer freut sich vielleicht darüber …

Hände hoch

Hände hoch, …

pistole

… oder ich schieße! Natürlich nur verbal.

In diesem Sinne:

»Einen Gruß aus der Heimat, dem schönen Thüringen.«

Danke an Harte Kante SnowboardingJibmonkZDeadmanshand und ORANGE JUNGLE // ALL CREWS UNITED

– Nikki.